Bedarf an Alters- und Langzeitpflege in der Schweiz - Prognosen bis 2040

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat im aktuellen Bericht den Bedarf an Alters- und Langzeitpflege bis 2040 dargelegt. Der Bericht zeigt die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und versorgungspolitischer Änderungen.

Das Prognosemodell umfasst Pflegeheime und erstmalig auch die Spitex und intermediäre Strukturen (Kurzzeitaufenthalte in den Pflegeheimen, betreute Wohnformen und neue Versorgungsmodelle). Somit können Berechnungen zur Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich gemacht werden.

Die Schätzungen des Obsan ergeben, dass der Bedarf an Alters- und Langzeitpflege aufgrund der Alterung bis 2040 um die Hälfte (+56%) steigen wird. Bei einer unveränderten Versorgungspolitik wären bei den Heimen bis 2040 54'335 mit zusätzliche Langzeitbetten (+69%), bei der Spitex mit 101'921 zusätzlichen KlientInnen (+52%), bei den Kurzzeitaufenthalten mit 1242 zusätzlichen Kurzeitbetten (+63%) und beim betreuten Wohnen mit 14'154 zusätzlichen Personen (+43%) zu rechnen. Eine alternative Versorgung, bei der leichtpflegebedürftige Personen ausserhalb des Pflegeheims gepflegt werden, würde die Heime entsprechend entlasten und den Bedarf bei der Spitex und intermediären Strukturen erhöhen. Je nach Szenario wären bei der Spitex mit zusätzlich zwischen +14'301 bis 19'824 neuen KlientInnen zu rechnen. Das Verlagerungspotenzial ist nicht für alle Regionen in der Schweiz gleich und hängt davon ab, ob die heutigen Systeme eher ambulant oder stationär geprägt sind.

Die Erkenntnisse in der neuen Obsan-Studie sind inhaltlich an sich nicht neu. Dennoch liefern die neuen Zahlen Anhaltspunkte für die Geschwindigkeit und das Ausmass des Bedarfs in der Alter- und Langzeitpflege in den nächsten zwei Jahrzehnten. Die Verlagerung von stationär zu ambulant akzentuiert den Bedarf bei der Spitex und den intermediären Strukturen. Mit dem zusätzlichen Bedarf an Alters- und Langzeitpflege steigen die organisatorischen, personellen und finanziellen Herausforderungen im Pflegebereich. Wie die Studie weiter aufzeigt, müssen die Datengrundlagen, insbesondere die Spitexstatistik des Bundesamtes für Statistik verbessert werden, damit eine entsprechende Versorgung möglich ist.

https://www.obsan.admin.ch/de/publikationen/2022-bedarf-alters-und-langzeitpflege-der-schweiz

 

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