Präsident und Vizepräsident verabschieden sich

Die Delegierten von Spitex Schweiz haben am 23. Mai gleich den Präsidenten und den Vizepräsidenten verabschiedet: Walter Suter verlässt den Verband nach 8 und Peter Mosimann nach 14 Jahren. Für das «Spitex Magazin» schauen die beiden auf ereignisreiche Amtsjahre zurück – und verraten Details über ihren Ruhestand.

Walter Suter
Als die Delegierten von Spitex Schweiz am 23. Mai 2019 ihren Präsidenten Walter Suter verabschiedeten und ihm für sein grosses Engagement dankten, taten sie dies beinahe exakt acht Jahre, nachdem sie den Zuger in ihren Reihen willkommen geheissen hatten: Am 27. Mai 2011 war es, als viele Schweizer Medien vermeldeten, dass Walter Suter zum neuen Spitex-Präsidenten gewählt worden war. Kurz danach stand der frischgebackene Vorsitzende auch dem «Schauplatz» Red und Antwort, dem Vorgänger des «Spitex Magazins». Im grossen Interview erklärte er den Leserinnen und Lesern, er wünsche sich von der Spitex viel Offenheit gegenüber Neuerungen: Sie müsse sich darauf einstellen, dass die Anfrage nach ihren Leistungen stetig grösser werde. Und auch in Bezug auf die Ansprüche der Klientinnen und Klienten sei in den kommenden Jahren eine Steigerung zu erwarten.

«Die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Nonprofit-Spitex ist in den vergangenen acht Jahren tatsächlich stark gewachsen. Trotz der neuen Konkurrenz durch kommerzielle Unternehmen und selbstständige Pflegefachpersonen ist die Anzahl unserer Klienten um rund ein Drittel grös­ser geworden», erklärt Walter Suter im Abschieds-Interview hinsichtlich seiner damaligen Prognosen. Gleichzeitig hätten sich die Spitex-Organisationen den steigenden Ansprüchen angepasst und beispielsweise ihr Dienstleistungsangebot markant erweitert. «Neue Fachbereiche wie Palliative Care, Psychiatrische Pflege, Demenz, Wundpflege oder der Nachtdienst sind heute vielerorts etabliert», zählt der 67-Jährige auf.

Viele Neuerungen und Höhepunkte
Wie sein Nachfolger Thomas Heiniger ist auch Walter Suter ein alt Regierungsrat: Für die CVP leitete er ab 1991 im Kanton Zug die Direktion für Bildung und Kultur und von 2003 bis 2006 die Volkswirtschaftsdirektion. Vor ihm stand die ehemalige Aargauer FDP-Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Stephanie Mörikofer dem Verband vor. In der Amtszeit von Walter Suter hat sich der Verband in mancherlei Hinsicht erneuert: So wählte der Vorstand 2015 Marianne Pfister zur Nachfolgerin der aus Altersgründen scheidenden langjährigen Geschäftsführerin Beatrice Mazenauer. Und 2014 wurde nicht nur das «Spitex Magazin» schweizweit lanciert – die Delegiertenversammlung definierte auch die Entwicklungsziele im Leitbild der Nonprofit-Spitex neu. 2017 wurde schliesslich mit der neuen Markenstrategie für einen gesamtschweizerisch neuen visuellen Auftritt gesorgt.

Blickt Walter Suter auf die acht Jahre an der Spitze von Spitex Schweiz zurück, erinnert er sich mit Freude an weitere Höhepunkte seiner Amtszeit. «Die zwei wirkungsvollsten Neuerungen waren für mich zum einen die Verstärkung unserer politischen Arbeit und Einflussnahme auf Bundesebene», erklärt er. «Dies erreichten wir durch die Wahl von Nationalrat Lorenz Hess in unseren Vorstand, durch die Etablierung des politischen Beirats sowie durch die Verdoppelung der personellen Ressourcen unserer Geschäftsstelle im Bereich Politik und Grundlagen», erklärt er. «Zum andern wird der Erfolg unseres neuen Sponsoring-Konzeptes, der sich heute schon zeigt, den finanziellen Spielraum von Spitex Schweiz spürbar erweitern.» Grosse Freude bereite ihm zudem die Tatsache, dass die Nonprofit-Spitex im Gemeinwohlatlas 2015 den ersten und 2017 den zweiten Rang belegte. Dieser Atlas gibt Auskunft darüber, wie die Schweizer Bevölkerung den gesellschaftlichen Nutzen von Unternehmen beurteilt. «Die Rangierung ist eine eindrucksvolle und verdiente Anerkennung der guten und verlässlichen Arbeit, welche die Spitex-Mitarbeitenden tagtäglich schweizweit leisten», sagt er, «und für den einfühlsamen, respektvollen Umgang mit ihren Klientinnen und Klienten.»

Ein lachendes und ein weinendes Auge
Auf den Abschied von Spitex Schweiz habe er sich in Ruhe vorbereiten können, weil dieser schon lange auf das Ende der Wahlperiode 2015–2019 geplant gewesen war, erklärt Walter Suter. Darum belaste ihn der Abschied nicht allzu stark. Vermissen werde er allerdings einiges: Fehlen werde ihm zum Beispiel die «angenehme und freundliche Zusammenarbeit mit den motivierten Mitarbeitenden der Geschäftsstelle und den Mitgliedern des Vorstandes von Spitex Schweiz, die sich allesamt persönlich mit der Nonprofit-Spitex identifizieren».

Trotz dieses «weinenden Auges» freue er sich nun auf das Geniessen der Freiheiten, welche der Ruhestand mit sich bringt. «Ich bin nun schon im dritten Pensionsjahr und habe meine beruflichen Aktivitäten schrittweise abgebaut», erklärt er. Für zwei Jahre weiterführen werde er noch das Verwaltungsratspräsidium des Zuger Kantonsspitals. Ansonsten wartet mehr Zeit für zwei seiner Weggefährten auf den bald 68-Jährigen aus Hünenberg ZG. «Meine Frau und ich werden die eine oder andere Reise unternehmen», erzählt er erfreut. «Und die Spaziergänge mit meinem Springer Spaniel ’Knox’ dürften künftig etwas länger ausfallen.»

Was er der Spitex für die Zukunft wünscht? «Die Finanzierung ihrer Dienstleistungen muss endlich verbindlich geregelt werden», sagt er. So müssten die seit Jahren unveränderten Beiträge der Krankenkassen an die Spitex gegen oben angepasst werden; und die Restfinanzierung durch die öffentliche Hand bedürfe einer klaren Regelung. Zudem wünsche er der Spitex Kraft und Durchhaltevermögen für das Bewältigen aller künftigen Herausforderungen. «Ich bin mir sicher», sagt Walter Suter zum Schluss, «dass sich die Nonprofit-Spitex weiterhin erfolgreich an den Bedürfnissen der Gemeinden und der Bevölkerung ausrichten wird.»

Peter Mosimann
Eine lange Zeit deutete nichts darauf hin, dass Peter Mosimann mehr als 20 Jahre seines Lebens im Dienst der Spitex verbringen würde. So arbeitete der heute 60-jährige Genfer zum Beispiel rund zwölf Jahre für Schweizer Banken in London im Bereich Human Resources. «Dann hatte ich aber endlich genug von diesem Job. Ich wollte die Kunden nicht mehr verjagen», erinnert er sich lachend. «Als ich die Bankenwelt hinter mir liess, landete ich in einer Welt, die ich bis dahin überhaupt nicht gekannt hatte: In der Seniorenbetreuung.» Als Personalchef der l’Association genevoise d’Aide à domicile (AGAD; Genfer Verband für die Betreuung zu Hause) nahm für Peter Mosimann ab 1998 eine Karriere voller Herausforderungen und Erfolge ihren Anfang. Kaum hatte er seine Stelle angetreten, begann in Genf eine tiefgreifende Transformation: Die AGAD fusionierte 1999 zuerst mit anderen Organisationen zu einer Stiftung, die alle Dienste der Pflege und Betreuung zu Hause aus einer Hand anbieten konnte. Und 2013 mutierte ebendiese Stiftung zum heutigen Genfer Kantonalverband der Nonprofit-Spitex, der imad (institution genevoise de maintien à domicile). «Der reibungslose Übergang wurde durch die Unterstützung aller Mitarbeitenden ermöglicht», sagt Peter Mosimann, der seine Mitarbeitenden damals überraschte, indem er darum bat, «ins Feld» gehen zu dürfen. «Als Personalverantwortlicher war dies ungewöhnlich. Ich begleitete das Personal, staubsaugte und bügelte», erzählt er. «Es war mir eine Freude, mich für meine Nächsten einsetzen zu können – ohne die Verpflichtung, einen Gewinn zu erzielen. Es gab mir Vertrauen in die Zukunft, dass ich erleben durfte, mit welch aussergewöhnlichem Engagement sich die Spitex-Mitarbeitenden dafür einsetzen, dass jeder Mensch in Würde leben kann.»

Mit der neu gewonnenen Zuversicht stellte sich Peter Mosimann weiteren Herausforderungen: Er wurde 2005 zum Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz und übernahm 2007 das Vizepräsidium.  Als Verantwortlicher für das Dossier «Beziehungen mit Versicherern» führte er die Verhandlungen mit SantéSuisse und half mit, dass 2010 der erste nationale Administrativvertrag mit den Krankenversicherungen in Kraft trat. «Auf der nationalen Ebene habe ich festgestellt, dass alle Kantone vor den gleichen Herausforderungen stehen; und dass jeder einzelne von ihnen eine Lösung findet, die seinen Bedürfnissen entspricht. Ein Problem kann also mehrere Lösungen haben – die Spitex ist der Beweis dafür!»

«Gemeinsam effektiver»
Nun, da er sein Amt bei Spitex Schweiz abgibt, empfindet der junge Rentner vor allem ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit «für all jene Menschen, die jeden Tag arbeiten, egal ob es windet, regnet oder schneit. Pflegefachkräfte sind grossartige Menschen.» Die Herausforderung der Zukunft in der Pflege besteht seiner Meinung nach darin, die gute Versorgungsqualität zu erhalten, obwohl die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen stark zunehmen wird. «Gemeinsam effektiver»: Dieses Motto liegt Peter Mosimann am Herzen, und diese Einstellung habe in seiner über 20-jährigen Karriere Früchte getragen. Er hofft, dass die Spitex diesen Weg fortsetzen wird, insbesondere auch durch eine engere Zusammenarbeit mit den Alters- und Pflegeheimen. Durch eine solche Kooperation könnten die unterschiedlichen Lebensverläufe bestmöglich unterstützt und technologische Innovationen ermöglicht werden.

Der Ruhestand ist ein wichtiger Wendepunkt im Leben von Peter Mosimann, und in seinem Fall wird er von Musik begleitet: Der 60-Jährige absolviert derzeit einen Bachelor in Musikwissenschaft an der Universität Genf und arbeitet gleichzeitig an einem Zertifikat vom Genfer Musikkonservatorium. «Meine Pensionierung führt mich also zurück in mein Studentenleben», sagt er. Während des Telefoninterviews ist Peter Mosimann auf dem Weg von Berlin, wo er ein Konzert des Philharmonischen Orchesters besucht hat, nach Genf, wo er unter anderem Vorstandsmitglied des Comité des EMS (Genfer Verband der Alters- und Pflegeheime) ist. Das Tempo, das er während seines Berufslebens stets bewies, wolle er auch nach seiner Pensionierung beibehalten, versichert er lachend. «Ich will weiterhin jeden Tag meine zehntausend Schritte machen.»

Kathrin Morf, Pierre Gumy